
Der wohnraum auf dem dorf
Darstellung eines Dorfes im frühen 16ten Jahrhundert. Nicht mehr ganz im Spätmittelalter, kann aber trotzdem davon ausgegangen werden, dass sich in den knapp 50 Jahren keine Großartigen Änderungen ergeben haben, und die Übersicht also auch gut für eine Grobe Vorstellung reicht, wie vielleicht ein mittelalterliches Haufendorf wie Osterwick im Jahre 1450 grob ausgesehen haben könnte.
Wichtig dazu ist zu sagen, dass die Allmende, also das von allen Bewohnern gleichmäßig nutzbare verfügbare Acker und Weideland, gerne im Jahreswechsel in Größe und auch wo sich die Gemeinschaftsfläche befindet, geändert hat.
Wurden zu frühmittelalterlichen Zeiten, Dörferstrukturen noch regelmäßig aufgelöst und umgesiedelt, um fruchtbaren Ackerboden neu zu erschließen, änderte sich dies im weiteren Verlauf des Mittelalter.
Durch Fortschritte in der Felder Kultivierung, wurden im Laufe des Mittelalters Dörfer zu festen Siedlungen, mit eigener Infrastruktur, Gerichtbarkeit, Pfarrei und teilweise auferlegten Wehrauflagen.
Es gab verschiedene Dorfarten. Für Osterwick, Holtwick und auch Darfeld dürfte ein natürlich gewachsenes Hauben oder auch Haufen-Dorf am wahrscheinlichsten sein.
Da die ersten Nennungen der Orte im Bezug auf ansässige Adels bzw. Rittergeschlechter und Lehen bis ins 8 Jhd. und eigene Pfarreien bis ins 12te Jahrhundert zurück datieren, kann nicht von einer strukturierten Anlegung der Dörfer ausgegangen werden, anders wie es z.B. in Städten wie Coesfeld oder Billerbeck der Fall war.
Es gab reichlich Möglichkeit zum Forstschlag, da die Wälder von Varlar aus verwaltetet wurden. Dazu gute Böden mit einer etablierten Fruchtfolge, was reiche Ernten möglich machte, lud zum Ansiedeln ein. Sowie konstante Wasserläufe wie der Mühlenbach oder die Vechte, trugen dazu bei dass unsere Orte bis heute Bestand haben.



(Alle 3 Bilder: Fränkische Freilichtmuseum Bad Windsheim)
Was hier zu sehen ist, ist das mittelalterliche Bauernhaus aus Höfstetten, was eine wunderbare Rekonstruktion eines Bauernhaues aus dem Jahr 1363 darstellt.
Durch die leider sehr karge Quellenlage was das dörfliche Leben im allgemeinen, und vor allem die Zeit vor dem 15ten Jahrhundert betrifft, ist von Glück zu sagen, dass in diesem Fall ein fast vollständig erhaltenes Haus geborgen und rekonstruiert werden konnte.
Die Bauweise ähnelt mit ihrer ohne Fundament ausgeführten Stammkonstruktion, immer noch sehr frühen Stammhäusern, welche auf ein ab- und umbauen vorbereitet waren. Sollte das Dorf aufgrund ausbleibender Erträge umsiedeln müssen.
Eine ausladende Dachkonstruktion sorgte für einen Kamineffekt, die Zwischenräume der Wände wurden mit Stroh und Lehm gedämmt und anschließend gekalkt.
Fenster waren unverglast und durch Laden zu schließen.
Die Bedachung aus Reetgeflecht hat sich selbst abgedichtet. Die wohnhafte Familie lebte zusammen mit ihrem Vieh (außer Geflügel und Schafe) in dem Haus .
Stube und andere Wohnbereiche waren baulich deutlich von den Stallungen getrennt.
Leider fehlen in Rosendahl archäologische Grabungen, welche die deutlichen Spuren der Setzstämme dieser Art Häuser nachweisen könnten.
Trotzdem ist davon auszugehen, dass diese Art Haus auch 1450 noch vorzufinden war, und nicht jeder Hof oder jedes Wohn- und Wirtschaftsgebäude durch seine moderneren baulichen Nachfahren abgelöst wurden.



Auf dem Mühlenhof in Münster wird gut dargestellt, wie das Fachwerk aufgefüllt und anschließend verputzt wird. Mit Weidengeflecht oder geflochtenem Stroh, erzeugt man im inneren bei großer Wärmer angenehme Temperaturen oder hält bei Kälte die Wärme im Haus.
(Bilder: Andre Nürenberg)

Sehr einfaches dörfliches Haus als reines Wohnhaus, ohne integrierten Stall

Bedford Stundenbuch, 15tes Jahrhundert, Frankreich

Als konstruktiver Nachfolger zu dem oben beschriebene Stammhaus, kann ein solches Haus in Blockbauweise gesehen werden.
Die Konstruktion des Hauses wird nicht mehr durch in den Boden eingelassene Stämme getragen, worauf das Dach ruht, sondern durch eine Holzrahmenkonstruktion.
Der gesamte Rahmen steht auf einem Fundament aus gerichteten Stämmen oder auch schon auf einem Fundament aus Stein. Die Füllungen zwischen dem Holz bestanden weiterhin aus getrockneten Stroh/Gewächsen, welche Verputzt und gekalkt wurden.
Vollständige Häuser aus Stein dürften im Umfeld von Rosendahl unwahrscheinlich gewesen sein, da es dafür auch keinerlei Quellen oder Nachweise gibt.
Auch die Dächer dürften weiterhin mit Holzschindeln oder ähnlichem, gerne auch weiterhin Reet, gedeckt worden sein.
Brandschutzauflagen, welche in den immer dichter bebauten Städten üblich wurden, wie z.B. das Teile des Hauses aus Stein sein mussten, und Dächer mit Steinschindeln oder Schiefer z.B, aus dem Sauerland gedeckt sein sollten, gab es im dörflichen Häuserbau nicht.
Da die Dorfbewohner nicht nur der Landwirtschaft nachgegangen sind, sondern so gut wie jeder Bewohner ein Gewerk vorweisen konnte, welches er beherrscht, durfte der Bau eines neuen Hauses eine Gemeinschaftsaufgabe gewesen sein.
Anders als in der Stadt, wo jeder Handwerkszweig deutlich durch eine Gilde oder Zunft überwacht und getrennt war, gab es auf dem Dorf wenige, welche sich offiziell Geselle oder gar Meister in einem Handwerk nennen durften.
Dadurch fielen allerdings auch die Auflagen, Abgaben und Einschränkungen weg, welche die Zugehörigkeit zu einer festen Handwerkszunft mit sich bringen würde. Doch hierzu mehr auf den Seite "Bewirtschaftung"
Auf den Auszügen zweier Buchmalereien, erkennt man schön welche Arbeitsschritte und welche Werkzeuge nötig waren und zu der Zeit um 1450 genutzt wurden, um ein Haus abseits der Stadt zu bauen.

Ansicht und Querschnitt zeigt den typischen Aufbau des Westfalenhauses

Deutsche Manuskripthandschrift mitte 15te Jhd.

(Bild: Nordhannoversches Bauernhausmuseum)
Als Abschluss der Baulichen Entwicklung kann das niederdeutsche Hallenhaus gesehen werden. Auch Westfalenhaus genannt oder Niedersachsenhaus.
Dieser Zusammenschluss aus Wohnhaus und Stallungen, kann vor allem auf Hofanlagen als zentrales Hauptgebäude gesehen werden. ES findet sich bis heute noch zahlreich im westfälischen Land oder hoch nach Niedersachsen.
Die bauliche Art und Konstruktion ist im späten Mittelalter entstanden, und zog sich noch Jahrhunderte lang so weiter. Natürlich mit abweichenden Baumaterialien.
Die Bereiche im Holzständer konnten teilweise schon gemauert sein, ansonsten ähnelt die Grundkonstruktion stark der Blockbauweise. Mit solideren Fundamenten, ausgearbeiteten Giebelkonstruktionen und Dachspangen.
Da es im Spätmittelalter und vorallem auch ab der Zeit um 1450, schon durchaus wohlhabende Familienhöfe und große Bauern gegeben hat, lassen sich bei dem Westfalenhaus auch erstmal verglaste Scheiben, und komplett ausgestattete sowie von innen verkleidete Stuben und Wohnräume nachweisen.
Deswegen werde ich auch nur auf diesen Haustyp eingehen, wenn wir uns nun die Inneneinrichtung ansehen

Westfalenhaus auf dem Mühlenhof in Münster
(Bild: Andre Nürenberg)


Typischer Grundriss eines Hallenhauses

Butzenscheiben



Mit Holz vertäfelte Gute Stuben, mitsamt Kachelofen
Bild aus einer deutschen Handschrift, sehr spätes 15te Jhd. bzw. frühes 16tes Jhd.
Schön zu Sehen der Kachelofen und die Butzenglas Scheiben
Das niederdeutsche Hallenhaus in seiner Zwei Ständerbauweise, hatte im vorderen Bereich die Ställe untergebracht, welcher sich durch zwei große Tore öffnen ließ.
Das Dachgeschoss wurde zum Einlagern verwendet. Dazu war es für Westfalen typisch, dass auf dem Lagerboden Schlafräume für die Knechte und Mägde abgetrennt wurden.
Der Bauer selbst, schlief mit seiner Familie im Hinteren teil des Gebäudes im Erdgeschoss.
Zentral im Wohnbereich, der Diele, befand sich der Flett, eine immer noch offene Feuerstelle welche als Küche genutzt wurde, und anders als ein einfacher Kamin von allen Seiten benutzt werden konnte.
Rundherum um die Diele lagen die anderen Räume. Ist das Gebäude groß genug gewesen, gab es noch diverse Kammern wo unteranderem auch Waren eingelagert wurden, die der Hof abseits von Landwirtschaftlichen Erzeugnissen erarbeitet hat.
Mehr dazu im Bereich "Bewirtschaftung"
Die guten Kammern und Stube vom Bauer selbst und seiner Familie, waren schmuck hergerichtete wohnliche Räume.
Je nach Wirtschaftslage des Hofes, wurden Butzenscheiben verwendet.
Butzenscheiben sind aus Waldglas geschlagene Scheiben, welche vom Glaser mit Blei zur ganzen Fensterglasscheibe zusammen gesetzt wurde.
Dazu Möbel, welche aus Schränken, Betten, Waschstelle, Truhen und ähnlichem bestand. Und bei wohlhabenden Höfen sogar Kachelöfen
Die Grundart dieses Gebäudes, finden sich immer noch auf Höfen rund um Rosendahl. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass das "Haus Holtwick" über solch ein Gebäude verfügte.
Es folgen nun weitere Beispiele von erhaltenen Möbeln und anderer Inneinrichtung, passend für Stuben der Zeit um 1450.
Diese sollen ein Gefühl geben, wie damals gewohnt wurde.
Das gezeigte spiegelt allerdings eher den Standard eines vollwertigen Bauern oder noch höher gestellten Dorfbewohner wieder und darf nicht als allgemeiner Standard gewertet werden.

Erhaltener spätmittelalterlicher Kastentisch, mit faltbaren Scherenstühlen, Burghausen

Bauernstube (Bild: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)

Ausgestatte Stube mit Ofen, Schränken, einer Wiege, einem Waschtisch und Stühlen
(Bild: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)

Sehr typischer Schrank der Gotik für das späte Mittelalter, erhaltenes Original aus Ulm, ca. 1450. Dieser Schrank stand in einer Sakristei, daher diese formschönen Verzierungen. Für die Privatperson wahrscheinlich schlichter, wird aber in dieser Bauweise sehr sicher in einem Dörflichen Bauernhaus oder eines gut verdienendem Dorfbewohner anzutreffen gewesen sein. Diese Schrankart, oder allgemein Schränke, sind aus Truhen entstanden, als man diese nicht mehr beweglich "mobil" (wo das Wort Möbel abstammt) halten musste. Im Endeffekt sind es nur zwei Truhen die aufeinander stehen und nach vorne zu öffnen sind.

Daneben waren solche Anrichten in Stollenbauweise (In welcher Bauweise es auch vollwertige Schränke gab) sehr geläufig als kleinere Ablage und Verstau Möglichkeiten. Hier ein Rheinländisches Original aus der Zeit um 1450,