Die Schlacht Bei varlar

Dazu eine Oberflächliche Übersicht zur münsterischen Stiftsfehde 

Wem das ganze Gebaren rund um die Fehde genauer interessiert, empfehle ich deutlich das "Geschichtsblatt Kreis Coesfeld Nr. 47 von 2022". Darin befindet sich die Publikation "Die Schlacht von Varlar - 18. Juni 1454" von Dr. Hendrik Lange

Der amtierende Bischof von Münster, Heinrich II. von Moers, verstarb nach einem Reitunfall am 2. Juni 1450 in Ahaus an den Verletzungen die er sich dabei zuzog. Das daraus resultierende Schisma führte zur münsterischen Stiftsfehde. 

Ein durch das Domkapitel Münster gewählter Bischof, stand einem auf Wunsch der Bürger der Stadt Münster gewähltem Bischof gegenüber.

Auf Seiten des Domkapitel, bestimmt der Kölner Erzbischof Dietrich III. von Moers, seinen Bruder " Walram von Moers"  zum neuen Bischof, und bekam dafür auch bei einem Entscheid auf Haus Dülmen, die nötigen Stimmen der Domherren des Domkapitel Münster. 

Deutliche Bestechungen in Richtung der Domherren, taten da ihr übriges. 

Auf Seite der Münsteraner Bürger steht der von dieser Seite aus gewählte Bischof "Erich I. von Münster bzw. von Hoya" und zusätzlich dazu wird dessen Bruder, Graf Johann von Hoya als sein Stiftsverweser (Vertreter) ernannt. 

 

 

 

 

 

Das Wappen des Geschlecht " von Moers" 

Ein Reiter überbringt den Fehdebrief, in einem typischen gegabelten Botenstock

Das Wappen des Geschlecht " von Hoya" 

Auf dem Wappen prangen zwei Bärentatzen 

Aufgrund schon vorangegangener Konflikte zwischen den beiden Familien, wie gewalttätige Übergriffe des Hauses Moers auf das Haus Hoya, was auch zu einer langjährigen Gefangennahme von Johann durch die Moerser Partei zur Folge hatte, spitzte sich die Fehde rasant zu. 

Beide Familien wollten ihren Anspruch mit allen Mitteln durchsetzen. So wurde sich Gegenseitig die Fehde ausgerufen. Dafür typisch und durch das Fehderecht abgedeckt, wurden von beiden Seiten kleinere Unternehmungen zu Schwächung der Gegenseite ausgeübt. 

Denn eine Fehde ist nicht zu verwechseln mit einem Krieg. In der Fehde geht es erstmal vorrangig darum, seinen Fehdegegner zu schwächen, weniger ihn in einem offen Krieg in der Feldschlacht gegenüber zu stehen.  Die Wirtschaft und die Infrastruktur zu schwächen, das war das Ziel der Fehdeangriffe.  

Vor allem die ländliche Bevölkerung litt sehr unter einer Fehde, da diese als erstes und einfachstes Ziel am meisten drangsaliert wurde. Musste diese zwar nicht Primär um ihr direktes Leben fürchten, so wurden doch Höfe in Brand gesteckt, Vieh vertrieben, Stallungen unbrauchbar gemacht und Ackerflächen mitsamt dem Ertrag zerstört.

 

Schauplätze der Fehde waren Ahaus, Ottenstein, Vreden, Dülmen, Coesfeld und Billerbeck mitsamt zugehörigen umliegenden Dörfern. Deswegen muss davon ausgegangen werden, dass auch unser heutiges Rosendahl, schon vor dem Ausbruch der direkten Kämpfe, durch die Fehdehandlungen in Mitleidenschaft gezogen wurde. 

 

Da beide Seiten immer mehr Unterstützer in den verschiedensten Adelsgeschlechtern hatten, welche sich Vorteile durch den Bischofsposten der einen oder der anderen Familie machten,  eskalierte die Situation immer weiter. 

Die Fehde blähte sich immer mehr auf und fand ihren Zenit mit der Schlacht um Varlar. 

Durch vorherige offen kriegerische Auseinandersetzungen mit Söldnerheeren im Münsterland, waren die Soldaten unter der Seite Hoya im Münsterland verstreut. Zusätzlich dazu, fand die Seite Moers mächtige Unterstützer, welche bis in den burgundischen Adel reichten. 

Auf der Seite Moers dürften an die 7200 Soldaten zur Zeit der Schlacht bereit gestanden haben, und die Seite Hoya in Varlar selbst vor Ort hatte nur ca. 600- 800 Soldaten. 

Zu dem Zeitpunkt war das Kloster Varlar durch Hoya zu einer provisorischen "Festung" umgebaut worden, welche seinen aktuellen Hauptstützpunkt ausmachte. 

 

Durch eine Fehleinschätzung Hoyas, wie lange die Truppen des Hauses Moers mit der Belagerung Dülmens bräuchten, überließ Hoya das Kloster Varlar einem seiner Verbündeten, Friedrich II. von Braunschweig. 

Hoya selbst ritt mit einem Teil seiner Armee einem anderen weiteren Verbündeten entgegen, um sich mit diesem zu bündeln. Mit den weiteren Soldaten wollte er mit einer deutlich größeren Streitmacht in Varlar auf die Truppen von Moers warten. 

Während Hoya davonzog, und trotzdem einen großen Teil seiner Truppen in Varlar zurück ließ, griffen die Truppen von Moers an. Die Truppengröße des Hauses Moers überstieg deutlich die des Hauses Hoya, selbst wenn diese sich rechtzeitig hätten sammeln können. 

 

Was dann folgte war ein regelrechtes Blutbad. 

 

Leider in dem Fehlglauben, dass Hoya mit einem großen Herr rechtzeitig zurück in Varlar wäre, veranlasste Friedrich, dass seine Truppen vor dem befestigten Kloster die direkte Konfrontation suchen. Wahrscheinlich war ihm zu dem Zeitpunkt nicht klar, wie übermächtig das Heer vom Hause Moers war. 

Die tapferen Männer Hoyas hielten dem Sturm Moers so gut es ging Stand, wobei diese eine interessante Taktik zur Verteidigung nutzen. Die Männer Hoyas bauten Wagenburgen, welche sich seit den Hussitenkriegen als neue Taktik im Reich bewährt hatten. Auf diesem Kranz von ineinander gestobenen Wagen, konnten die Soldaten Hoyas auf einer gesicherten erhöhten Plattform mit Armbrüsten und Stangenbüchsen die Armee von Moers einige Zeit in Schach halten. Allerdings war die schiere Übermacht zu Groß, und die Wagenburg wurde gestürmt. (Siehe unten) 

Erschwerend kommt hinzu, dass die Männer Hoyas, welche die Flucht Richtung Kloster aufnahmen, teilweise in den Gräften (Wassergraben) jämmerlich ertranken. Dazu haben die Großteils ausländischen Söldner unter dem Banner Moers, keine Gefangenen genommen. Wodurch sehr wahrscheinlich niemand der Truppen Hoyas überlebt haben wird. 

 

So endete eine, rein auf die Truppenstärke bezogen, größten Schlachten im Heiligen Römischen Reiche. 

Und auch eine der schlimmsten und einschneidendsten militärischen Aktionen im Bereich Rosendahls.

Wie schwer die Dorfbevölkerung im direkt benachbarten Osterwick durch die Anwesenheit eines solch großen feindlichen Heeres leiden musste, möchte ich hier gar nicht weiter ausführen. Dass diese auch ortsfremd und sogar aus dem Ausland kamen, ließ die restlichen Skrupel erlöschen. 

Umso verständlicher war der große Sturm der Entrüstung unter den Bürgern Münsters, welche so ein Massaker Aufgrund eines durch Gier herbeigeführten Schismas miterleben mussten. 

Neben dem Gedenkstein in Münster welcher den Gefallenen gewidmet wurde,  wurde auch für knapp 100 Jahre wöchentlich ein Gedenkgottesdient abgehalten. 

Das ganze wurde dann allerdings im Zuge der Reformation durch die Kirche abgeschafft und das Thema Varlar und Fehde nicht weiter in den Kirchenalltag einbezogen, um den Reformaten nicht noch mehr (gerechtfertigtes) Futter für ihr aufgebehren gegen die katholische Kirche zu geben. 

 

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass die ganze Fehde keiner der Parteien einen Vorteil erbracht hat.

 Am 23.10.1457 wurde der Kranenberger Vertrag beschlossen. Die Fehde war beendet, und der neue Bischof von Münster wurde vom Papst selbst entschieden. Johann von Pfalz-Stimmern welcher zuvor mit keiner der beiden Parteien einen Bezug hatte. 

 

Ebenfalls Schade ist es , dass der Archäologischen Wert leider ignoriert wird. Im Bereich des Waldes und den Gräften rund um das jetzige Schloss Varlar, müssten noch Funde der Schlacht zu finden sein, wenn es ernsthafte Ausgrabungen und Anstrengungen dahingehend geben würde.

Dazu kommt Unverständnis auf, dass dieses Ereignis in der rosendahler Wahrnehmung keine Bedeutung spielt. Auch eine Gedenkstätte sucht man vergebens. 
 

 

 

Hier sieht man eine zeitlich relativ passende Darstellung einer solchen Wagenburg. 

So dürfte die, welche von den Truppen Hoyas ebenfalls verwendet wurde, ausgesehen haben. 

Die Wagen bilden einen dichten Kranz und die seitlichen Bracken aus dicken Holzbrettern boten guten Schutz, ohne den Verteidiger auf dem Wagen allzu sehr einzuschränken.

Das Bild stammt aus einer Buchmalerei

 

 


Waffen und Rüstungen der Zeit werden in dem Reiter "Rüstungen und Waffen" behandelt.   

Hier sieht man einen Auszug einer preußischen Kartenaufnahme. Die Karte stammt ca. aus 1836 und ist die älteste, deutliche Aufzeichung des Gebiets rund um Varlar. 

Die Truppen Moers zogen südlich aus Coesfeld (schwarzer Pfeil) der Wagenburg welche vor dem Kloster lag entgegen. Wie weit die landschaftliche Struktur um 1836 noch deckungsgleich zur 400 Jahre früher stattgefundenen Schlacht war, ist leider nicht klar. Auch nicht wie weit das Schloss den Dimensionen und Zugängen des Klosters ähnelt. 

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